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Baden-Württemberg will international Flagge zeigen
Die Heidelberger Ruperto Carola kann sich "insgesamt als Elite-Universität präsentieren" - RNZ-Gespräch mit Wissenschaftsminister Peter Frankenberg
Von Heribert Vogt

Als Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn und die SPD zu Beginn dieses Jahres einen Vorstoß in Sachen Elite-Universitäten unternahmen, zählte auch die Universität Heidelberg zu den Favoriten. Denn die Ruperto Carola gehört nicht nur zu den wichtigen Forschungsuniversitäten, sondern sie ist auch im Ausland besonders erfolgreich - und die ins Auge gefassten Elite-Hochschulen sollten vor allem im internationalen Wettbewerb bestehen können. Allerdings setzen inzwischen die Wissenschaftsminister sämtlicher Bundesländer auf die Förderung leistungsstarker Fakultäten, nicht ganzer Universitäten. Im nachfolgenden Gespräch erläutert Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, warum sich die Ruperto Carola auch in diesem Modell als Elite-Universität präsentieren kann.

Herr Minister Frankenberg, vor zwei Jahren wurde das "Heidelberg Center Lateinamerika" in Santiago de Chile eröffnet. Welche Perspektiven sehen Sie für diese Dependance?

Ich begrüße es sehr, dass eine der renommiertesten deutschen Universitäten - die gleichzeitig die älteste im heutigen deutschen Sprachraum ist - nun auch nach außen geht. Es ist wichtig, die Namen deutscher, also auch baden-württembergischer Universitäten im Ausland bekannt zu machen und dort sichtbar zu sein. Das sehr gut funktionierende "Heidelberg Center" ist ein Aushängeschild für die Auslandsaktivitäten deutscher Hochschulen - ein erfolgreicher so genannter Offshore-Campus.

Die Zusammenarbeit mit der Andrássy Universität in Budapest ist ein Projekt Ihres Hauses, das federführend von der Universität Heidelberg ausgeführt wird.

Wir wollten in Ungarn, das in der Geschichte teilweise von der deutschen Sprache geprägt war, wieder eine deutschsprachige Universität anbieten und nicht allein der Wissenschaftssprache Englisch das Feld überlassen. Ungarn tendiert wieder stark zur deutschen Sprache, und so ging es bei dem Projekt durchaus um ein "Flagge zeigen". Baden-Württemberg hat ja auch nach dem Ende des Kommunismus im Hinblick auf Europa und die Übernahme demokratischer Strukturen stark mit Ungarn kooperiert.

Das bisher größte Auslandsprojekt ist wohl die 2003 gegründete "German University in Cairo" (GUC) mit tausend Studienanfängern, an der die Universitäten Ulm und Stuttgart beteiligt sind. Sie selbst haben dort einen Sitz im "Board of Trustees", dem Aufsichtsrat.

Die GUC war primär eine Initiative der Universitäten Ulm und Stuttgart, die vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) mitfinanziert wird, wie andere Offshore-Gründungen auch. Für diese Universität gibt es in Ägypten eine hohe Studiennachfrage, denn das deutsche Hochschulstudium wird dort als hochwertig angesehen. Die GUC ist damit nicht zuletzt auch eine Dokumentation der Leistungsfähigkeit unserer Universitäten. Gleichzeitig ist es für uns gerade in den gegenwärtigen Zeiten sehr wichtig, den Brückenschlag von der europäischen zur arabischen Welt zu suchen.

In Santiago, Budapest und Kairo treffen die deutschen Universitäten auf schon bestehende Wissenschaftsangebote anderer Länder.

Insbesondere viele angloamerikanische Universitäten haben schon länger Offshore-Campus. Die Briten sind in Malaysia sehr aktiv, in Singapur gibt es zum Beispiel Aktivitäten von Australien. Ähnlich wie in der Wirtschaft findet in der Wissenschaft eine Globalisierung des Bildungsmarktes statt: Die Hochschulen wollen an diesem Markt partizipieren und für die heimischen Universitäten zusätzliche Mittel verdienen. Dies stand bei unseren bisherigen Projekten allerdings zunächst nicht im Vordergrund.

Sie haben kürzlich eine Reise durch Australien und Asien absolviert. Existiert eine Weltkarte der besonders interessanten Regionen?

Da gibt es zunächst die Räume, die über höchstentwickelte Hochschulsysteme verfügen, mit denen wir kooperieren können. Zu nennen sind etwa Universitäten in Großbritannien, den Niederlanden und in den skandinavischen Ländern, die auch zusammengeschlossen sind in der "League of European Research Universities". Die Universität Heidelberg gehört auch zu dieser Gruppe. Dann zählen natürlich die Vereinigten Staaten dazu - nicht nur mit den privaten Universitäten der "Ivy League", sondern auch mit vielen guten Staatshochschulen. Außerdem kommen Hochschulen in Ost- und Südostasien hinzu, etwa in Hongkong, China und Singapur, aber auch in Australien und Lateinamerika. Darüber hinaus wollen wir die Verbindungen mit den osteuropäischen Ländern wieder stärken - hier ist Heidelberg etwa an der Zusammenarbeit mit der Jagiellonen-Universität in Krakau führend beteiligt. Schließlich wollen wir eine Art Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt betreiben, um das Wissen nicht im Westen zu monopolisieren. Auch hier gibt es zahlreiche Kooperationen.

Kann man in Ihrem Zuständigkeitsbereich von einer Außenpolitik des Landes Baden-Württemberg sprechen?

Ja. Baden-Württemberg ist rechtlich ein Staat, und wir haben die Autonomie in allen Bildungs- und Hochschulfragen. Deshalb sind unsere Gesprächspartner im Ausland häufig die Staatsregierungen - wie kürzlich in Australien, Singapur, Malaysia oder Tunesien. Wir verhandeln über die Hochschulzusammenarbeit zwischen Baden-Württemberg und anderen Staaten und informieren nur in bestimmten Fällen das Auswärtige Amt.

Eine kontinuierliche Abstimmung mit der Bundesebene gibt es nicht?

Nein. Der durch den Bund finanzierte DAAD hat ein Programm zur Förderung von Offshore-Campus, aber ansonsten agieren die Länder eigenständig, und jede Universität hat ihre Strategie. Die Initiative für Santiago kam aus Heidelberg, die für Kairo aus Ulm und Stuttgart. Nach meiner Meinung wird die Mehrzahl solcher Projekte und Unternehmungen auch künftig von den Hochschulen kommen.

Diese Internationalisierung bedeutet auch eine Expansion, die auf eine schlechte wirtschaftliche Lage in Deutschland trifft.

In einzelnen Feldern unseres Ministeriums - etwa bei den Verbindungen zu China - haben wir Mittel gekürzt, um Kürzungen in den Hochschulhaushalten zu vermeiden. Die Beziehungen zu vielen Ländern müssen nicht von uns subventioniert werden, denn inzwischen kann eine Region wie Shanghai im Hinblick auf ihren Entwicklungsstand durchaus mit den Beitrittsländern der EU konkurrieren.

Aber grundsätzlich ist die internationale Ausweitung finanziell gedeckt?

Wir werden wohl auf Dauer nicht ein Land ohne Studiengebühren bleiben. Speziell durch die Auslandskontakte können wir noch zusätzliche Mittel für unsere Hochschulen einnehmen. In die Aufbauphase internationaler Projekte investieren wir, aber wenn sich diese dann tragen oder Gewinne abwerfen, stehen die Mittel für neue Unternehmungen zur Verfügung. Hier muss man beginnen, unternehmerischer zu handeln.

Wie beurteilen Sie die internationale Positionierung der Universität Heidelberg und der anderen baden-württembergischen Universitäten?

Hohe Anteile an ausländischen Studierenden gibt es auch in Stuttgart, Freiburg oder Tübingen sowie an etlichen Fachhochschulen, die für Ausländer ebenfalls attraktiv sind. Aber Heidelberg ist mit 22 Prozent in der Tat führend; und die Nachfrage nach Heidelberg ist ja auch so groß, dass 60 Prozent der ausländischen Studienbewerber abgewiesen werden müssen. Die Strategie besteht nicht darin, diesen Anteil weiter zu erhöhen, sondern darin, die Qualität der ausländischen Studierenden sicherzustellen und sich vorrangig auf die Master- oder Doktoranden-Ebene zu konzentrieren: In Heidelberg sind jetzt schon mehr als ein Drittel der Doktoranden Ausländer. Auch die USA verfolgen eine solche Strategie des "Brain-Gain". Das gelingt der Universität Heidelberg sehr gut, und sie ist auf diesem Gebiet vielleicht die führende Universität in Deutschland.

Als Mitglied der "League of European Research Universities" gehört sie einer Gruppe an, die Einfluss auf die EU-Forschungspolitik nehmen will.

Wir versuchen dies ja auch als Land, weil wir dort eine Stimme haben. Ich halte es für richtig, dass sich die europäischen Forschungsuniversitäten zusammenschließen. Die Gruppe zeigt aber auch, dass wir uns von der Gleichheitsfiktion aller Universitäten entfernen.

Arbeitet das Land mit diesen europäischen Universitäten zusammen?

Im Rahmen des Zusammenschlusses "Vier Motoren für Europa" versuchen wir, unser Gewicht in Brüssel in die gleiche Richtung einzubringen, gemeinsam mit Katalonien, der Lombardei und der Region Rhône-Alpes.

Nach dem SPD-Vorstoß zu Anfang des Jahres rechnete sich die Universität Heidelberg Chancen aus, zu den Spitzenuniversitäten in Deutschland zu gehören. Aber die Wissenschaftsminister der Länder favorisieren ein anderes Modell.

Die Wissenschaftsminister aller Länder sind der Meinung, dass nicht nur wenige Universitäten gefördert werden sollten, denn es muss ja einen Leistungsanreiz für alle Hochschulen geben. Nach dem einmütigen Konzept der Kultusministerkonferenz kann eine Universität wie Heidelberg mit mehreren Fakultäten Anträge auf eine besondere Förderung in Forschung und Lehre stellen. Diejenigen Hochschulen, die mehrfach vertreten sind, gelten dann als Spitzenuniversitäten. Insofern hindert das einvernehmlich verabschiedete Programm der 16 Länder Heidelberg nicht daran, den Weg einer Spitzenuniversität zu gehen. Die Fakultäten sollen sich vor allem in Vernetzung mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen um eine Zusatzfinanzierung bewerben können, und da ist Heidelberg ja besonders stark, so dass die Universität gute Chancen hat, am Ende als eine der "leading universities of Germany" oder "of Europe" dazustehen.

Bedeutet der Plan der Wissenschaftsminister nicht einen Bruch mit der "Unternehmensphilosophie", die auch im neuen, 2005 in Kraft tretenden Landeshochschulgesetz anzutreffen ist? Soll den Namen Harvard oder Oxford in Zukunft ein anonymer "Elite-Campus Deutschland" gegenüberstehen?

Für mich ist der "Elite-Campus" in erster Linie eine gemeinsame Präsentation, etwa im Internet. Auf dieser Plattform kann ein ausländischer Studierender nach den besten Fakultäten suchen. Und die Universität Heidelberg wird sich dort vielleicht mehrfach vermarkten. Die Marke wird aber immer "Studieren in Heidelberg" heißen - und nicht "Studieren auf dem Elite-Campus Deutschland". Man darf diesen Begriff nicht überinterpretieren: Der "Elite-Campus" ist keine Universität, welche die existierenden Hochschulen ersetzen wird.

Kommt die Interdisziplinarität einer Volluniversität - als solche hat sich die Heidelberger Ruperto Carola stets verstanden - im Wettbewerb der Fakultäten nicht zu kurz?

Nein. Denn es können auch nicht besonders geförderte, aber dennoch hochrangige Einrichtungen gemeinsam mit den anderen vermarktet werden. Heidelberg etwa könnte sich auch in diesem Modell insgesamt als Elite-Universität präsentieren.

Die Volluniversität wird aber wohl nicht überall zu halten sein. Denn durch die strategische Planung der Landespolitik wird es doch zu verstärkter Profilbildung bei den baden-württembergischen Universitäten kommen?

Das ist ein schrittweises Verfahren, in dem die Hochschulen zunächst mehr Autonomie erhalten. Wir müssen dann aber dafür sorgen, dass es ein landesweit vernünftiges Angebot an Fächern für die Lehre und die Forschung gibt. Wir haben unterschiedliche Universitätstypen, etwa in Mannheim und Heidelberg. Ich halte es für richtig, wenn die Heidelberger Universität ihre eigentliche Stärke nicht in einzelnen Fächern sieht, sondern in einem möglichst vernetzten Gesamtangebot. Sie wird sicherlich den Weg der Volluniversität mit einer hohen Qualität in allen Bereichen gehen. Die Idee von Frau Bulmahn, einige Hochschulen wie amerikanische Elite-Universitäten zu fördern, ist aber finanziell nicht realisierbar. Denn dafür brauchen wir etwa zehn Milliarden, und nicht 250 Millionen Euro. Wir mussten Frau Bulmahns Konzept herunterbrechen, weil man mit dem Klingelbeutel einer kleinen Stadtpfarrkirche nicht den Petersdom erbauen kann.

Rhein-Neckar-Zeitung vom 23.03.2004

 

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Heidelberg, den 2. Juni 2004