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Deutscher Herzspezialist in Santiago
Dr. Jörg Kreuzer zur deutschen und chilenischen Kardiologie

Rund 300 Kardiologen gibt es in Chile und etwa die Hälfte von ihnen haben vor gut zwei Wochen in Santiago die Vorträge von Dr. Jörg Kreuzer gehört. Der Oberarzt der Kardiologie an der Heidelberger Universitätsklinik befand sich vom 17.-22. August auf Vortragsreise in insgesamt sechs Kliniken von Santiago.

In der Universidad Católica, der Universidad de Chile, der Clínica Alemana, der Clínica Las Condes, der Clínica Davila und in der Clínica San Borja Arriaran sprach der Herzspezialist Dr. Kreuzer vor Fachkollegen. Eingeladen hatten das Heidelberg Center und die Firma Grünenthal. Das Ziel der Vortragsreise war, die Zusammenarbeit in Forschung und Lehre zwischen der Universidad Católica, der Universidad de Chile und dem Heidelberg Center zu intensivieren. So wurden im April diesen Jahres Kooperationsabkommen mit den Medizinischen Fakultäten der beiden großen chilenischen Universitäten unterzeichnet. Die Vortragsreise von Dr. Kreuzer gilt als erster Schritt eines Austausches zwischen deutschen und chilenischen Kardiologen.

CONDOR: Dr. Kreuzer, Sie sind Oberarzt der Kardiologie an der Heidelberger Universitätsklinik. Wo liegen Ihre Forschungsschwerpunkte?

Dr. Jörg Kreuzer: Wir haben mehrere Forschungsschwerpunkte. Einer davon liegt auf der Grundlagenforschung bei der Entstehung von Herzerkrankungen, vor allem bei der Entstehung von Herzinfarkten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die kardiologische Prävention, das heißt, das Verhindern von weiteren Herzinfarkten oder auch das Verhindern vom Auftreten des ersten Herzinfarkts. Außerdem bin ich noch im Herzkatheterlabor sehr aktiv, das heißt, ich nehme aktive Eingriffe bei akuten Herzinfarkten vor.

Sie haben in Santiago insgesamt sechs Vorträge gehalten. Über welche Themen haben Sie referiert?

Es war im Wesentlichen immer der gleiche Vortrag, der sich besonders um zwei wichtige Aspekte drehte: Warum kommt es zu einem Herzinfarkt? Und: Wie kann man ihn verhindern? Beziehungsweise, wenn es bereits dazu gekommen ist: Wie kann man ihn dann behandeln?

Was wollen Sie mit diesen Vorträgen erreichen?

Die zugrundeliegende Idee ist, dass wir über das Heidelberg Center gerne eine Zusammenarbeit mit Chile, speziell auch mit den Kliniken in Santiago etablieren würden, zum gegenseitigen Austausch von Ärzten, aber auch zur wissenschaftlichen Zusammenarbeit. Das war jetzt der erste Kontakt mit der Kardiologie Heidelberg und der hiesigen Kardiologie.

Haben Sie bei Ihren Vorträgen Kontakte mit Fachkollegen der chilenischen Kardiologie knüpfen können?

Ich habe mit einer ganzen Reihe von Kardiologen gesprochen und wir haben uns viel darüber ausgetauscht, welche Art der Zusammenarbeit man in Zukunft finden kann. Dabei haben wir auch einen Austausch angedacht. Es wäre doch möglich, dass die Kollegen hier aus Chile nach Heidelberg kommen und dass wir im Gegenzug dann jemanden nach Santiago schicken. Dabei geht es dann vor allem um klinische Zusammenarbeit.

Sie haben während ihres Aufenthaltes hier vermutlich bereits einen Eindruck von der chilenischen Kardiologie bekommen können. Auf welchem Stand befindet sich diese Ihrer Meinung nach?

Ich muss sagen, dass die Kardiologie hier auf sehr hohem Niveau arbeitet. An den Fragen konnte ich erkennen, dass es sich um optimal ausgebildete Kardiologen handelt, die Medizin auf exzellentem Niveau betreiben, vergleichbar mit Europa. Die Limitationen kommen im Wesentlichen durch die Beschränkung der finanziellen Resourcen zustande. Aber vom Anspruch, vom Wissen und vom Können her war das fantastisch.

Wo ist Ihrer Meinung nach noch Nachholbedarf in der chilenischen Kardiologie?

Möglicherweise in der Akut-Behandlung des Herzinfarkts. Das liegt nicht unbedingt daran, dass der Wille, daran zu arbeiten, nicht da ist, sondern dass die Möglichkeiten noch nicht vorhanden sind. Ich habe aber erfahren, dass vom Gesundheitsminister jetzt ein Programm lanciert wird, bei dem unter anderem die Akut-Versorgung des Herzinfarktes ganz groß im Vordergrund steht. Vor allem in den ländlicheren Gebieten gibt es da große Defizite. Ich glaube, in diesem Bereich wird noch viel Arbeit zu leisten sein. Aber ich glaube auch, dass hier in relativ kurzer Zeit große Erfolge möglich sind.

Kann die deutsche Kardiologie etwas von der chilenischen lernen?

Deutschland kann von Chile durchaus etwas lernen. Ich denke, dass wir in Deutschland viele Dinge, die früher klassisch waren im Bereich der Herzchirugie und der Kardiologie etwas zu wenig betreiben. Vielleicht aufgrund der zunehmenden Technisierung. Gerade heute habe ich mit einem Herzchirugen lange darüber gesprochen, dass wir auf diesem Gebiet zusammenarbeiten könnten, um so Wissen, das nicht wirklich verloren gegangen, aber ein bisschen in den Hintergrund gerückt ist, wieder zu reaktivieren.

Was ist Ihr erster Eindruck von Chile?

Ich bin ja bis jetzt nur in Santiago gewesen und werde im Wesentlichen wohl auch nur in der Hauptstadt sein. Das ist mein erster Aufenthalt in Südamerika überhaupt und ich muss sagen, ich bin ganz angetan von Santiago. Die Stadt gefällt mir außerordentlich gut. Die Menschen, die ich kennengelernt habe, sind sehr offen und ich gehe eigentlich nur mit den besten Eindrücken zurück nach Deutschland.

Hatten Sie schon Zeit, sich etwas in Santiago umzusehen?

Naja, wenn man ehrlich ist, hatte ich in der ganzen Zeit, in der ich hier bin, nur einen Vormittag, an dem ich mir zusammen mit einer Kollegin die Innenstadt anschauen konnte. Die Kollegin ist selber Chilenin aus Santiago und konnte mir eine Menge zeigen. Fantastisch!

Was haben Sie jetzt vor, nachdem Sie alle Ihre Vorträge gehalten haben?

Bevor ich wieder nach Deutschland fliege, werde ich noch versuchen, nach Valparaíso zu kommen, um wenigstens diesen Ort noch anschauen zu können, damit ich nicht ausschließlich Santiago gesehen habe.

Haben Sie denn Lust noch einmal nach Chile zu kommen?

Unbedingt, ich würde jederzeit gerne wieder nach Chile kommen.

Mit welchen Vorhaben?

Was uns vorschwebt, ist die Zusammenarbeit, die wir angesprochen haben, jetzt auch in die Tat umsetzen, so dass sie also nicht nur auf dem Papier bleibt. Wir möchten auch versuchen, im Rahmen des Kongresses der Herzchirurgen und Kardiologen, der bald in Viña del Mar stattfinden wird, unseren Beitrag zu leisten und die Entwicklung hinsichtlich der Behandlung des Infarktes zu unterstützen.

Vielen Dank für das Interview, Dr. Kreuzer.

Die Fragen stellte Anne Passow.

 

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Heidelberg, den 10. September 2003